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Dreifaltigkeit Gottes – Der Glaube an Vater, Sohn und Heiligen Geist

Ein Gott in drei Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Wie lässt sich dieses Glaubensgeheimnis verstehen? Was offenbart die Bibel, und welche Bedeutung hat die Dreifaltigkeit für unsere Erlösung?

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Lukasz Holfeld
17 min Lesezeit
Die Heilige Dreifaltigkeit als Gnadenstuhl: Gott Vater hält den gekreuzigten Jesus Christus vor Sich. Zwischen Ihnen erscheint der Heilige Geist als weiße Taube.
Francesco Granacci: Die Heilige Dreifaltigkeit (Gnadenstuhl), 1515, Gemäldegalerie Berlin. Wikimedia Commons, gemeinfrei.

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Mit diesen Worten beginnen wir unsere Gebete. Bereits bei unserer Taufe wurden sie über uns gesprochen. Wir kennen sie seit unserer Kindheit, doch was bedeutet es eigentlich, dass wir an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist glauben? Sind das drei Götter oder drei Namen für denselben Gott?

Die katholische Kirche bekennt die Heiligste Dreifaltigkeit, auch Dreieinigkeit oder Trinität genannt. Damit meinen wir, dass es einen einzigen Gott in drei göttlichen Personen gibt: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Jede dieser Personen ist wahrer Gott, ohne dass dadurch drei Götter entstehen. Diese Wahrheit gehört zum Fundament unseres Glaubens, denn sie erklärt, wer Jesus Christus ist, weshalb wir den Heiligen Geist anbeten und wie Gott uns das ewige Leben schenkt.

Zugegeben: Die Dreifaltigkeit ist in der Sprache der Theologie und Philosophie nicht sofort verständlich. Um sie besser zu verstehen, müssen wir deshalb zunächst klären, was die Kirche unter dem einen göttlichen Wesen und den drei göttlichen Personen versteht.

Barocke Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit: Jesus Christus und Gott Vater sitzen auf Wolken, während der Heilige Geist als weiße Taube über Ihnen schwebt.
Andrea del Verrocchio und Leonardo da Vinci: Die Taufe Christi, um 1475, Uffizien, Florenz. Wikimedia Commons

Dreifaltigkeit einfach erklärt: Ein Gott in drei Personen

Was bedeutet die Dreifaltigkeit Gottes?

Wenn wir von drei Personen sprechen, denken wir gewöhnlich an drei Menschen. Jeder besitzt seinen eigenen Verstand, seinen eigenen Willen und führt sein eigenes Leben. Obwohl wir alle dieselbe menschliche Natur haben, bleiben wir voneinander getrennte Einzelwesen. Drei Menschen sind schließlich drei Menschen. Warum sollte das bei Gott anders sein?

Um das zu verstehen, müssen wir zwei Begriffe unterscheiden: Wesen und Person. Das Wesen beschreibt, was jemand ist, während die Person bezeichnet, wer jemand ist. Mit der Natur meinen wir dabei die grundlegenden Eigenschaften und Fähigkeiten, die zu einem Wesen gehören. Wir Menschen besitzen beispielsweise eine menschliche Natur, aber jeder von uns besitzt sie für sich.

Bei Gott ist das anders. Vater, Sohn und Heiliger Geist besitzen keine drei getrennten göttlichen Naturen. Jede Person besitzt dieselbe eine, ungeteilte Gottheit vollständig. Deshalb gibt es in Gott auch nur einen göttlichen Verstand, einen göttlichen Willen und eine göttliche Macht. Die drei Personen teilen nicht etwa die Gottheit untereinander auf, denn jede ist ganz Gott.

Doch worin unterscheiden sie sich dann? Die Antwort liegt in ihren ewigen Beziehungen. Der Vater zeugt den Sohn, der Sohn wird vom Vater gezeugt, und der Heilige Geist geht nach katholischer Lehre vom Vater und vom Sohn hervor. Mit diesen Beziehungen beschreibt die Theologie den Ursprung der göttlichen Personen innerhalb Gottes.

Die Zeugung des Sohnes dürfen wir dabei nicht mit einer menschlichen Geburt verwechseln. Ein menschliches Kind beginnt bei der Zeugung zu existieren. Der Sohn Gottes dagegen besitzt keinen Anfang. Er ist ebenso ewig wie der Vater und empfängt von Ihm dieselbe göttliche Natur. Auch das Hervorgehen des Heiligen Geistes ist ein ewiger Vorgang, den die Theologie als Hauchung bezeichnet. Wie diese Beziehungen zu verstehen sind, werden wir im nächsten Abschnitt genauer betrachten.

Damit ist der Kern der Dreifaltigkeit erklärt: Gott ist Seinem Wesen nach einer und existiert von Ewigkeit her in drei wirklich verschiedenen Personen. Wie wir uns diese Wahrheit wenigstens annähernd vorstellen können, zeigen uns die Überlegungen des heiligen Augustinus und des heiligen Thomas von Aquin.

Wie erklärten Augustinus und Thomas von Aquin die Dreifaltigkeit?

Wie können drei göttliche Personen ein einziger Gott sein? Natürlich beschäftigte diese Frage bereits die großen Theologen der Kirche. Der heilige Augustinus suchte in seinem Werk Über die Dreifaltigkeit nach Beispielen, die uns dieses Geheimnis verständlicher machen. Besonders hilfreich erschien ihm die Liebe: „Ich, das, was ich liebe, und die Liebe selbst (…) Drei sind es also: der Liebende, das Geliebte und die Liebe. “ (De Trinitate IX, 2,2)

Denken wir beispielsweise an zwei gute Freunde, die einander freundschaftlich lieben. Da sind die beiden Freunde und die Liebe, die sie miteinander verbindet. Augustinus erkannte darin eine Ähnlichkeit mit dem göttlichen Leben. Auch der Vater und der Sohn lieben einander von Ewigkeit her. Der Heilige Geist geht als göttliche Person aus dieser Liebe hervor.

Dieser Vergleich hilft uns zu erkennen, dass Gott die Welt nicht erschaffen musste, um lieben zu können. Schon vor der Schöpfung besteht in Ihm das ewige Leben der Liebe. Allerdings bleibt das Bild begrenzt. Zwei liebende Menschen sind zwei getrennte Wesen, und natürlich ist unsere menschliche Liebe keine eigene Person. In Gott dagegen ist der Heilige Geist selbst eine göttliche Person.

Augustinus fand noch ein weiteres Beispiel in unserem eigenen Geist. Wir können uns an etwas erinnern, darüber nachdenken und es lieben. Dabei bleibt unser Geist ein einziger. Augustinus sprach deshalb von „Gedächtnis, Einsicht und Wille“ (De Trinitate X, 11,18). Er wollte damit zeigen, dass wir auch in unserem eigenen Leben Verschiedenes unterscheiden können, ohne dass dadurch mehrere Wesen entstehen. Unsere geistigen Fähigkeiten sind allerdings keine Personen. Auch dieses Bild erklärt die Dreifaltigkeit deshalb nur annähernd. Der Vergleich zeigt aber, dass wir innerhalb einer Einheit Verschiedenes unterscheiden können. Auch Vater, Sohn und Heiliger Geist sind wirklich voneinander unterschieden, besitzen jedoch dieselbe ungeteilte göttliche Natur und wirken nach außen stets gemeinsam.

Der heilige Thomas von Aquin griff diese Überlegungen auf und entwickelte sie weiter. Er betrachtete vor allem unser Denken. Wenn wir beispielsweise an einen Baum denken, entsteht in unserem Verstand eine Vorstellung davon. Wir können diesen Gedanken auch aussprechen. Thomas bezeichnete das, was unser Verstand auf diese Weise hervorbringt, als inneres Wort. In seiner Summa Theologiae erklärt er, dass durch die Tätigkeit des Verstandes ein Wort hervorgeht, das im Erkennenden bleibt (Summa Theologiae I, q. 27, a. 1 und a. 3).

Darin erkannte er eine Ähnlichkeit mit dem Sohn Gottes, den die Bibel als das ewige Wort bezeichnet. Der Vater erkennt Sich selbst vollkommen, und aus dieser Erkenntnis geht der Sohn hervor. Anders als unser menschlicher Gedanke ist der Sohn jedoch eine wirkliche göttliche Person, die von Ewigkeit her existiert.

Daneben betrachtete Thomas die Liebe: „Daß in Gott ein zweifaches „Ausgehen“ besteht; nämlich das „Ausgehen“ des Wortes und noch ein anderes (…) „Ausgehen“ der Liebe“ (Summa Theologiae I, q. 27, a. 3)

Damit meinte Thomas Folgendes: Der Sohn geht als ewiges Wort aus dem Vater hervor. Der Heilige Geist geht dagegen nach Art der Liebe vom Vater und vom Sohn hervor. So versuchte Thomas zu erklären, weshalb wir drei göttliche Personen unterscheiden und dennoch an einen einzigen Gott glauben.

Augustinus und Thomas wollten die Dreifaltigkeit also anhand von Erfahrungen erklären, die jeder von uns kennt: Denken und Lieben. Ihre Vergleiche sollen uns helfen, das Geheimnis Gottes besser zu verstehen. Denn dass Gott tatsächlich Vater, Sohn und Heiliger Geist ist, wissen wir letztlich durch Seine Offenbarung in der Heiligen Schrift. Auf die möchten wir nun schauen.

Wo steht die Dreifaltigkeit in der Bibel?

Das Wort „Dreifaltigkeit“ kommt in der Bibel nicht vor. Dennoch finden wir dort die Grundlage dafür. Die Kirche hat den Begriff später entwickelt, um genauer auszudrücken, was Gott uns über Sich selbst offenbart hat.

Im Alten Testament steht zunächst die Einheit Gottes im Mittelpunkt. Israel bekennt: „Höre, Israel! Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig“ (Dtn 6,4). Auch Jesus Christus bestätigt dieses Bekenntnis mit den Worten: „Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr“ (Mk 12,29). Wir Christen glauben deshalb ebenso wie Israel an einen einzigen Gott.

Allerdings finden wir bereits im Alten Testament Stellen, die von den Kirchenvätern als Hinweise auf die Dreifaltigkeit verstanden wurden. So spricht der eine Gott bei der Erschaffung des Menschen: „Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich!“ (Gen 1,26). Auch die Begegnung Abrahams mit drei Männern bei den Eichen von Mamre wurde später als Bild der Dreifaltigkeit gedeutet (Gen 18,1–3). Diese Texte offenbaren die drei Personen noch nicht ausdrücklich. Und die Stellen werden auch mal anderes gedeutet. So oder so: Erst durch Jesus Christus wird uns das innere Leben Gottes deutlicher gezeigt.

Besonders wichtig ist der Anfang des Johannesevangeliums. Dort lesen wir, dass das Wort im Anfang bei Gott war und selbst Gott ist: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott“ (Joh 1,1). Johannes unterscheidet damit zwischen dem Wort und Gott, bei dem das Wort ist, und bekennt zugleich die Gottheit des Wortes. Wenige Verse später erfahren wir, dass dieses Wort Fleisch geworden ist:  „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit“ (Joh 1,14). Gemeint ist Jesus Christus, der ewige Sohn Gottes.

Noch anschaulicher wird die Dreifaltigkeit bei der Taufe Jesu im Jordan. Während Christus im Wasser steht, kommt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf Ihn herab, und der Vater spricht vom Himmel (Mt 3,16–17). Hier begegnen uns alle drei göttlichen Personen gleichzeitig. Sie sind also keine verschiedenen Rollen, die Gott nacheinander annimmt.

Nach Seiner Auferstehung befiehlt Jesus den Aposteln, alle Völker auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19). Auffällig ist, dass Er von einem einzigen Namen spricht und dabei drei Personen nennt. Auch der heilige Paulus verwendet solche Formulierungen. Im Epheserbrief schreibt er, dass wir durch Christus im einen Geist Zugang zum Vater haben (Eph 2,18).

Diese Bibelstellen zeigen uns, dass die Dreifaltigkeit eng mit unserer Erlösung verbunden ist. Denn Gott offenbart uns Sein inneres Leben, indem Er handelt: Der Vater sendet den Sohn, Christus wird Mensch und erlöst uns, und der Heilige Geist schenkt uns Anteil an diesem Heil.

Die Taufe Jesu im Jordan: Johannes der Täufer gießt Wasser über Christus, während der Heilige Geist als Taube vom Himmel herabkommt.
Andrea del Verrocchio und Leonardo da Vinci: Die Taufe Christi, um 1475, Uffizien, Florenz. Bildquelle. Wikimedia Commons

Vater, Sohn und Heiliger Geist: Warum die Dreifaltigkeit für unsere Erlösung wichtig ist

Gott Vater: Warum nennen wir Gott unseren Vater?

Wenn wir Gott als Vater bezeichnen, meinen wir zunächst Seine ewige Beziehung zum Sohn. Gott ist nicht erst dadurch Vater geworden, dass Er die Welt erschaffen hat. Schon vor aller Schöpfung besitzt Er einen Sohn, der ebenso ewig ist wie Er selbst.

Jesus Christus spricht selbst davon, wenn Er zum Vater betet: „Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war!“ (Joh 17,5). Die Theologie bezeichnet den Vater deshalb als Ursprung ohne Ursprung. Das bedeutet, dass Er selbst von keiner anderen göttlichen Person stammt. Er besitzt weder Anfang noch Ende. Der Sohn dagegen hat Seinen ewigen Ursprung im Vater. Beide sind gleich ewig und besitzen dieselbe göttliche Natur.

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Doch weshalb dürfen auch wir Gott unseren Vater nennen? Schließlich sind wir Menschen keine göttlichen Personen. Die Antwort gibt uns Jesus Christus selbst. Er ist der Sohn Gottes von Ewigkeit her. Durch Seine Menschwerdung, Seinen Tod und Seine Auferstehung hat Er uns den Weg eröffnet, ebenfalls Kinder Gottes zu werden. Deshalb lehrt Er uns, im Vaterunser Gott als unseren Vater anzusprechen.

Was damit gemeint ist, erklärt der heilige Paulus: „Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, den Geist, der ruft: Abba, Vater“ (Gal 4,6). Abba ist ein aramäisches Wort für Vater. Paulus zeigt damit, dass wir durch Jesus Christus in eine wirkliche Beziehung zu Gott aufgenommen werden.

Das geschieht besonders in der Taufe. Durch sie werden wir von der Erbsünde befreit und empfangen die heiligmachende Gnade. Damit bezeichnet die Kirche das göttliche Leben, das Gott unserer Seele schenkt und durch das wir mit Ihm verbunden werden. Wir bleiben Menschen, dürfen aber als Seine angenommenen Kinder leben und Ihn unseren Vater nennen.

Aber es gibt einen Unterschied zwischen den getauften Kindern Gottes und dem ewigen Sohn: Weil Jesus Christus der Sohn Gottes von Ewigkeit her ist, besitzt Er dieselbe göttliche Natur wie der Vater. Wir dagegen werden durch die Taufe und die Gnade zu Kindern Gottes. Dass wir überhaupt an diesem göttlichen Leben teilhaben dürfen, verdanken wir dem ewigen Sohn, der für unsere Erlösung Mensch geworden ist. Diese Teilhabe ist ein göttliches Geschenk der Liebe.

Gott Sohn: Warum ist Jesus Christus wahrer Gott?

Die Frage, ob Jesus Christus wirklich Gott ist, beschäftigte die Kirche besonders im vierten Jahrhundert. Damals lehrte der Priester Arius aus Alexandrien, dass der Sohn Gottes einen Anfang gehabt habe. Nach seiner Auffassung sei Christus zwar vor allen anderen Geschöpfen entstanden, aber nicht von Ewigkeit her Gott.

Das hätte weitreichende Folgen für unseren Glauben. Denn wenn Christus selbst ein Geschöpf wäre, könnte Er nicht dieselbe göttliche Natur besitzen wie der Vater. Wir würden in Ihm einem besonders erhabenen Geschöpf begegnen, aber nicht Gott selbst.

Das Konzil von Nicäa verwarf diese Lehre im Jahr 325. Die versammelten Bischöfe bekannten, dass der Sohn dem Vater wesensgleich ist. Das bedeutet, dass beide dieselbe göttliche Natur besitzen. Deshalb sprechen wir im Großen Glaubensbekenntnis: „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater.“

Zu den bedeutendsten Verteidigern der Wesensgleichheit gehörte der heilige Athanasius von Alexandrien. Er kämpfte über Jahrzehnte gegen den Arianismus und musste deshalb mehrfach ins Exil gehen. Auch der heilige Paulinus von Trier wurde wegen seiner Treue zum Glauben von Nicäa verbannt.

Für Athanasius ging es dabei um unsere Erlösung. In seiner Schrift Über die Menschwerdung des Wortes erklärt er, dass der Sohn Gottes Mensch wurde, damit wir durch Ihn Anteil am göttlichen Leben erhalten können: „Denn er wurde Mensch, damit wir vergöttlicht würden“ (De incarnatione, 54,3). Doch wie geschieht das?

Durch die Sünde ist unsere Gemeinschaft mit Gott verletzt. Wir können diese Trennung aus eigener Kraft nicht überwinden. Deshalb wurde der ewige Sohn Gottes Mensch. Er nahm unsere menschliche Natur an und trug durch Seinen Tod am Kreuz die Folgen unserer Sünden. Der heilige Paulus schreibt: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren“ (Röm 5,8). Durch Sein Opfer hat Christus uns mit dem Vater versöhnt. Seine Auferstehung zeigt, dass Sünde und Tod überwunden sind und uns der Weg zum ewigen Leben offensteht.

Doch Christus hat uns mehr geschenkt als die Vergebung unserer Sünden. Er hat uns die Möglichkeit eröffnet, Kinder Gottes zu werden. Im Johannesevangelium heißt es über alle, die Christus aufnehmen: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben“ (Joh 1,12). Durch die Taufe werden wir mit Christus verbunden, von der Sünde gereinigt und empfangen die heiligmachende Gnade. So beginnt in uns ein neues Leben, das seinen Ursprung und sein Ziel in Gott hat.

Der zweite Petrusbrief beschreibt dieses Geschenk besonders eindrucksvoll: Durch Gottes Verheißungen sollen wir „Anteil an der göttlichen Natur erhaltet“ (2 Petr 1,4). Genau das meint die Theologie mit dem Begriff Vergöttlichung. Wir werden dadurch nicht selbst zu Göttern und verlieren auch unsere menschliche Natur nicht. Gott schenkt uns vielmehr durch Seine Gnade Anteil an Seinem eigenen Leben. Diese Gemeinschaft beginnt bereits in der Taufe und soll im ewigen Leben ihre Vollendung finden.

Deshalb ist es für unsere Erlösung entscheidend, dass Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Als Mensch konnte Er unsere Natur annehmen, für uns leiden und sterben. Als ewiger Sohn Gottes besitzt Er selbst jenes göttliche Leben, an dem Er uns durch Seine Menschwerdung, Seinen Tod und Seine Auferstehung Anteil schenkt.

Gott Heiliger Geist: Wer ist der Heilige Geist?

Von den drei göttlichen Personen ist der Heilige Geist für uns wohl am schwierigsten vorstellbar. Jesus Christus wurde Mensch, und wir kennen Seine Worte und Taten aus den Evangelien. Auch mit dem Begriff Vater verbinden wir eine konkrete Vorstellung. Beim Heiligen Geist fällt uns das schwerer. Die Bibel verwendet verschiedene Bilder, um uns Sein Wirken näherzubringen.

Jesus selbst vergleicht den Geist mit dem Wind: „Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht“ (Joh 3,8). Wir können den Wind nicht sehen, aber seine Wirkung erkennen. Ähnlich ist es mit dem Heiligen Geist. Bei der Taufe Jesu erscheint Er in Gestalt einer Taube, an Pfingsten in Feuerzungen.

Dabei dürfen wir eines nicht vergessen: Der Heilige Geist ist ebenso wahrer Gott wie der Vater und der Sohn. Er besitzt dieselbe göttliche Natur, denselben Willen und dieselbe Macht. Er ist auch keine unpersönliche Kraft.

Doch wie wirkt der Heilige Geist in unserem Leben? Jesus Christus ist nach Seiner Auferstehung zum Vater aufgefahren. Damit hat Er uns jedoch keineswegs verlassen. Schon vor Seinem Leiden versprach Er den Aposteln: „Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll“ (Joh 14,16).

Der Heilige Geist ist dieser bleibende Beistand. Er führt die Kirche in der Wahrheit, stärkt uns Gläubige und schenkt uns die Gnade, nach dem Willen Gottes zu leben. Seine Gegenwart ist deshalb keine bloße Erinnerung an Jesus Christus. Im Heiligen Geist ist der eine Gott selbst bei uns gegenwärtig. Er wirkt in unserer Seele, führt uns zur Umkehr, stärkt unseren Glauben und hilft uns sogar beim Beten. Der heilige Paulus schreibt: „So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, was wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern“ (Röm 8,26).

Wie mächtig Sein Wirken ist, zeigt sich an Pfingsten. Die Apostel, die sich zuvor aus Angst zurückgezogen hatten, empfangen den Heiligen Geist und beginnen, öffentlich die Auferstehung Christi zu verkünden (Apg 2,1–36). Aus verängstigten Jüngern werden mutige Verkünder des Evangeliums. Diese Veränderung geschieht durch Gottes Gnade, die der Heilige Geist in ihnen wirkt.

Dabei handelt Er niemals getrennt vom Vater und vom Sohn. Denn die drei göttlichen Personen besitzen denselben göttlichen Willen und dieselbe Macht. Wenn der Heilige Geist uns heiligt, wirkt der eine dreifaltige Gott. Dennoch ist es tatsächlich der Heilige Geist, der vom Vater und vom Sohn gesandt wird und als göttlicher Beistand bei uns bleibt.

Das wird besonders in den Sakramenten deutlich. In der Taufe werden wir auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft. Wir empfangen die Gnade, werden Kinder Gottes und Glieder der Kirche. In der Firmung stärkt uns der Heilige Geist mit Seinen Gaben, damit wir Christus treu bleiben und unseren Glauben bekennen können.

Seine Gegenwart reicht sogar bis in das Innerste unserer Seele: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Kor 3,16). Der Heilige Geist wohnt durch die Gnade in uns. Und weil die drei göttlichen Personen untrennbar miteinander verbunden sind, bedeutet Seine Gegenwart zugleich die Gegenwart des Vaters und des Sohnes. Jesus selbst sagt: „Wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen“ (Joh 14,23).

Damit erkennen wir die Bedeutung des Heiligen Geistes für unsere Erlösung. Der Vater hat Seinen Sohn zu unserem Heil gesandt. Der Sohn ist Mensch geworden, hat uns durch Sein Opfer erlöst und den Weg zum ewigen Leben eröffnet. Der Heilige Geist wird vom Vater und vom Sohn gesandt und führt uns durch Raum und Zeit in die Gemeinschaft mit Gott. In all dem handelt der eine, dreifaltige Gott, dessen göttliches Leben wir durch die Gnade empfangen dürfen.

Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit: Gott Vater hält den leidenden Christus in Seinen Armen. Über Ihnen schwebt der Heilige Geist als weiße Taube, umgeben von Engeln.
Die Heilige Dreifaltigkeit mit dem Leichnam Christi. Bildquelle. Wikimedia Commons

Die Dreifaltigkeit als Ziel unseres Glaubens

Durch Jesus Christus hat Gott selbst uns offenbart, dass Er von Ewigkeit her Vater, Sohn und Heiliger Geist ist: drei Personen in einem einzigen göttlichen Wesen. Diese Wahrheit hätten wir aus eigener Kraft niemals erkennen können. Dennoch bleibt sie ein Geheimnis, denn unser begrenzter Verstand kann das unendliche Wesen Gottes niemals vollständig erfassen. Selbst in der ewigen Gottesschau werden wir Seine Unendlichkeit nicht ausschöpfen können.

Jedes Mal, wenn wir das Kreuzzeichen machen, bekennen wir diese ganze Wahrheit. Wir erinnern uns an unsere Taufe, an die Erlösung durch Jesus Christus und an die Gegenwart des Heiligen Geistes in unserer Kirche. Was wir mit wenigen Worten aussprechen, umfasst damit unseren ganzen Glauben.

Unsere Hoffnung richtet sich schließlich auf die ewige Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott. Dort werden wir Ihn schauen, wie Er ist, und jene Liebe in ihrer Vollkommenheit erkennen, an der wir schon heute durch Seine Gnade Anteil haben dürfen.

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Über Lukasz Holfeld

Redakteur / Autor bei der Priesterausbildungshilfe.

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