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Was geschieht, wenn ein Priester uns segnet?

Der priesterliche Segen verbindet ein jahrtausendealtes biblisches Gebet mit unserem Glaubensleben. Was wir dabei von Gott erbitten und warum die Kirche den Segen spendet.

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Lukasz Holfeld
9 min Lesezeit
Katholischer Priester im roten Messgewand erhebt seine rechte Hand zum Segen über die versammelten Gläubigen.
saint-jacques-collegiate-church-priest-Depositphotos_888511168_XL Saint-Jacques Collegiate Church. A priest in red vestments gives a blessing to the congregation during a Catholic Mass.

Am Ende der heiligen Messe erhebt der Priester seine Hand und spricht: „Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.“ Wir bekreuzigen uns und antworten mit „Amen“. Danach folgt die Entlassung: „Gehet hin in Frieden.“

Der priesterliche Segen gehört zu den vertrautesten Handlungen unseres katholischen Glaubens. Doch kann ein Priester uns tatsächlich Gottes Segen vermitteln? Und welche Bedeutung hat dieser Segen für unser Leben?

Historischer Kupferstich zeigt die Israeliten, die nach dem Segen Aarons vor dem Heiligtum niederknien, während Feuer vom Himmel auf das Opfer fällt.
Philip Tideman (1657–1705) und A. de Blois, Sacrifice, Kupferstich aus Historie des Ouden en Nieuwen Testaments von David Martin. © gemeinfrei (USA). Quelle: Pitts Theology Library, Emory University, Digital Image Archive.

Welche Bedeutung und Wirkung hat der priesterliche Segen?

Der aaronitische Segen: Woher kommt Gottes Segen?

„Der HERR lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der HERR wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden“ (Num 6,24–26).

Diese Worte gehören zu den ältesten Segensgebeten der Bibel. Gott spricht zu Mose und beauftragt ihn, Aaron und seinen Söhnen diese Segensworte weiterzugeben. Sie sollen damit das Volk Israel segnen. Daran knüpft Gott eine Verheißung: „So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich werde sie segnen“ (Num 6,27).

Gottes Name steht in der Heiligen Schrift für Seine Gegenwart. Indem Aaron und seine Söhne Seinen Namen auf das Volk legen, stellen sie Israel unter Gottes Schutz. Die eigentliche Segenszusage kommt von Gott selbst. Aaron spricht die Worte aus, doch Gott ist es, Der segnet.

Schon im Schöpfungsbericht begegnet uns dieses göttliche Handeln. Gott segnet die Wassertiere und die Vögel (Gen 1,22). Danach wendet Er sich dem Menschen zu, segnet ihn und gibt ihm den Auftrag, fruchtbar zu sein und sich zu vermehren (Gen 1,28). Der Segen ist hier eng mit dem Leben verbunden, das Gott erschaffen hat.

Abraham erhält später die Verheißung zahlreicher Nachkommen und eines eigenen Landes. Zugleich soll durch ihn auch anderen Völkern Segen zuteilwerden (Gen 12,1–3). Die Zusage Gottes reicht damit weit über Abraham und seine Familie hinaus.

Das lateinische Wort benedicere bedeutet wörtlich „Gutes sagen“. In der Heiligen Schrift bedeutet Segnen jedoch weit mehr, als jemandem etwas Gutes zu wünschen. Gottes eigenes Wort besitzt schöpferische Kraft. Im Schöpfungsbericht spricht Er, und was Er sagt, geschieht. Wenn Gott also segnet, kann Er das Gute, das Er verheißt, selbst verwirklichen.

Was bewirkt ein kirchlicher Segen?

Mit einem kirchlichen Segen erbittet die Kirche Gottes Hilfe für uns. Sie betet um die Stärkung unseres Glaubens, um Bewahrung vor dem Bösen und um alles, was unserem ewigen Heil dient.

Die unterschiedlichen Segnungen zeigen, wie eng dieses Gebet mit unserem Leben verbunden ist. Für einen kranken Angehörigen erbitten wir Gottes Beistand im Leiden. Bei einer Haussegnung vertrauen wir unser Zuhause und alle, die darin leben, Seinem Schutz an. Am 3. Februar erbittet die Kirche beim Blasiussegen auf die Fürsprache des heiligen Blasius Bewahrung vor Halskrankheiten und allem Bösen. Selbst der Adventskranz wird gesegnet, damit er uns während der Adventszeit an das Kommen Christi erinnert.

Solche Segnungen gehören zu den Sakramentalien. Darunter versteht die katholische Kirche heilige Zeichen, durch die sie Gottes Hilfe erbittet. Auch der Gebrauch von Weihwasser gehört dazu.

Von den sieben Sakramenten unterscheiden sich die Sakramentalien in ihrer Wirkweise. In den Sakramenten schenkt Christus die ihnen eigene Gnade durch die gültig vollzogene sakramentale Handlung, sofern wir ihrem Empfang kein Hindernis entgegensetzen. Die Theologie bezeichnet dies als ex opere operato. Bei den Sakramentalien steht dagegen das Gebet der Kirche im Mittelpunkt. Es bereitet uns darauf vor, Gottes Gnade anzunehmen und mit ihr mitzuwirken.

Was dürfen wir also von einem Segen erwarten? Gewiss keine Garantie für ein Leben ohne Krankheit oder Leid. Ein gesegneter Mensch kann schwer erkranken, einen Angehörigen verlieren oder in große Not geraten. Gottes Hilfe kann sich gerade in solchen Situationen zeigen: in der Kraft, das Leiden zu tragen, in der Hoffnung, die uns aufrechterhält, und im Glauben, der uns auch in schweren Zeiten mit Ihm verbindet.

Mit dem Segen legen wir unser Leben in Gottes Hände. Wir bitten Ihn um Seine Hilfe und überlassen Seiner Weisheit, auf welche Weise Er uns diese schenkt.

Müssen wir an den Segen glauben, damit er wirkt?

Nein. Auch Ungetaufte oder Menschen mit schwachem Glauben können einen kirchlichen Segen empfangen. So segnet die Kirche beispielsweise Katechumenen, die sich auf die Taufe vorbereiten. Welche geistlichen Früchte aus einer Segnung erwachsen, hängt allerdings auch von unserer Bereitschaft ab, Gottes Gnade anzunehmen.

Das Gebet der Kirche setzt keinen bereits gefestigten Glauben voraus. Gerade für jemanden, der sich Gott erst langsam nähert, kann ein Segen eine besondere Bedeutung gewinnen. Er erfährt, dass die Kirche für ihn betet und ihn Gottes Fürsorge anvertraut.

Unsere innere Haltung bleibt dennoch wichtig. Gottes Gnade ist ein freies Geschenk, das wir annehmen oder zurückweisen können. Durch besonders starken Glauben lässt sie sich weder erzwingen noch verdienen.

Mit unserem „Amen“ auf den priesterlichen Segen schließen wir uns dem Gebet der Kirche an. Wir stimmen ihrer Bitte zu und vertrauen unser Leben Gott an.

Katholischer Priester im Messgewand erhebt seine Hand zum Segen, während helle Lichtstrahlen durch die Kirche fallen.
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Warum ist der priesterliche Segen etwas Besonderes?

Was unterscheidet den Segen eines Priesters vom Segen eines Laien?

Der entscheidende Unterschied liegt im kirchlichen Auftrag. Durch die Taufe haben wir Anteil am gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen und können Gott um Seinen Segen für andere bitten. Der Priester besitzt durch seine Weihe darüber hinaus die Vollmacht, bestimmte Segnungen als geweihter Amtsträger im Namen der Kirche zu erteilen.

Ein vertrautes Beispiel ist der Segen der Eltern. Vor dem Schlafengehen zeichnen sie ihren Kindern ein Kreuz auf die Stirn und vertrauen sie damit Gottes Schutz an. Diese Segnung gehört zum christlichen Familienleben und bedarf keiner Priesterweihe.

Beim Schlusssegen der heiligen Messe tritt der besondere Auftrag des Priesters deutlich hervor. Er zeichnet das Kreuzzeichen über die Gemeinde und spricht: „Es segne euch der allmächtige Gott …“ Beten wir als Laien gemeinsam um Gottes Segen, verwenden wir beispielsweise die Worte „Es segne uns der allmächtige Gott …“ und bekreuzigen uns selbst. Welche Form vorgesehen ist, richtet sich nach der jeweiligen liturgischen Feier.

Als geweihter Amtsträger handelt der Priester im Namen der Kirche. Seine Segenshandlung ist Teil ihres öffentlichen Gottesdienstes. Dabei bleibt Gott selbst die Quelle des Segens, den wir empfangen.

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Was ist der Primizsegen?

Nach seiner Priesterweihe feiert ein Neupriester seine erste heilige Messe, die sogenannte Primiz. Im Zusammenhang mit dieser Feier spendet er den Primizsegen, häufig auch jedem Gläubigen persönlich.

In vielen Pfarreien treten die Gläubigen nach der Primiz einzeln vor den Neupriester. Er legt ihnen die Hände auf oder segnet sie mit dem Kreuzzeichen. Dieser Brauch ist Ausdruck der Freude über die Priesterweihe und der Wertschätzung des priesterlichen Dienstes.

Der Primizsegen besitzt eine besondere Bedeutung im Leben des Neupriesters und seiner Pfarrei. Er ist jedoch kein eigenes Sakrament und wirkt nach denselben Grundsätzen wie andere kirchliche Segnungen.

Warum segnet der Priester mit dem Kreuzzeichen?

Das Kreuzzeichen verweist auf Jesus Christus, Der durch Seinen Tod und Seine Auferstehung die Welt erlöst hat. Mit diesem Zeichen erinnert uns der Priester an das Heil, das Christus am Kreuz für uns erworben hat.

Bereits die frühen Christen verwendeten das Kreuzzeichen ganz selbstverständlich im Alltag. Der Kirchenschriftsteller Tertullian berichtet zu Beginn des 3. Jahrhunderts in seiner Schrift De corona militis: „Bei jedem Schritt und Tritt, bei jedem Eingehen und Ausgehen, beim Anlegen der Kleider und Schuhe, beim Waschen, Essen, Lichtanzünden, Schlafengehen, beim Niedersetzen und, welche Tätigkeit wir immer ausüben, drücken wir auf unsere Stirn das kleine Zeichen“ (Tertullian, De corona militis, Kap. 3).

Auch die erhobenen Hände beim Segnen haben eine lange biblische Geschichte. Bereits Aaron segnete das Volk Israel mit erhobenen Händen (Lev 9,22). Im Lukasevangelium begegnet uns dieselbe Geste bei der Himmelfahrt Christi. Jesus führt Seine Jünger in die Nähe von Betanien, erhebt Seine Hände und segnet sie. Während Er noch segnet, wird Er zum Himmel emporgehoben (Lk 24,50–51).

Die letzte sichtbare Handlung Christi vor Seiner Himmelfahrt ist Sein Segen. Die Jünger kehren anschließend voller Freude nach Jerusalem zurück.

In Christus erfüllt sich die Verheißung, die Gott einst Abraham gegeben hatte. Der Apostel Paulus erklärt, dass der Segen Abrahams durch Jesus Christus zu den Völkern gelangt und wir durch den Glauben den verheißenen Geist empfangen (Gal 3,8.14).

Das Kreuzzeichen des Priesters führt uns zu dem Ursprung unseres Heils zurück. Durch Christus haben wir Anteil an der Verheißung Gottes erhalten. Beim Schlusssegen der heiligen Messe wird uns dieser Segen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zugesprochen.

Kann auch ein sündiger Priester wirksam segnen?

Ja. Auch ein Priester, der selbst schwer gesündigt hat, kann als rechtmäßig handelnder Amtsträger eine kirchliche Segnung vornehmen. Seine persönliche Heiligkeit ist dafür keine Voraussetzung.

Die Segnung gründet auf dem Gebet der Kirche und dem kirchlichen Auftrag des Priesters. Seine persönlichen Sünden machen dieses Gebet nicht wertlos. Schließlich kommt der Segen von Gott, Dessen Gnade nicht von der moralischen Vollkommenheit des Priesters abhängt.

Damit wird die Verantwortung des Priesters keineswegs geringer. Seine Sünden können dem priesterlichen Dienst schweren Schaden zufügen und das Vertrauen der Gläubigen erschüttern. Dennoch unterscheidet die Kirche zwischen seiner persönlichen Lebensführung und dem Amt, das er ausübt.

Wir müssen also nicht erst beurteilen, wie heilig ein Priester lebt, bevor wir seinen Segen empfangen. Unser Vertrauen richtet sich auf Gott, von Dem jeder Segen ausgeht.

Historischer Kupferstich von Jesus Christus als Salvator Mundi, Der Seine rechte Hand zum Segen erhebt und in Seiner linken Hand den Reichsapfel hält.
christ-salvator-mundi-jacob-gheyn-Depositphotos_618963164_XL Christ as Salvator Mundi, Jacob de Gheyn (II), after Karel van Mander (I), 1607

Der Schlusssegen der Messe: gesegnet und gesendet

„Gehet hin in Frieden.“ Mit diesen Worten entlässt der Priester die Gemeinde nach dem Schlusssegen. Unsere Antwort lautet: „Dank sei Gott, dem Herrn.“

Der lateinische Entlassungsruf lautet Ite, missa est. Von diesem Ruf stammt die Bezeichnung „Messe“. Ursprünglich bezeichnet er die Entlassung der versammelten Gläubigen. Im christlichen Verständnis ist damit zugleich unsere Sendung verbunden: Wir verlassen die Kirche, um den Glauben zu leben, den wir gefeiert haben.

Der Schlusssegen steht unmittelbar vor dieser Entlassung. Nachdem wir das Wort Gottes gehört und die Eucharistie gefeiert haben, erbittet der Priester Gottes Segen für uns. Mit diesem Segen gehen wir hinaus.

Vielleicht wartet zu Hause ein kranker Angehöriger auf uns. Vielleicht steht eine schwierige Entscheidung bevor. Wir wissen nicht, was die kommende Woche bringen wird. Im Segen vertrauen wir Gott auch das an, worauf wir selbst keinen Einfluss haben.

Am Hochfest der Gottesmutter Maria, dem 1. Januar, hören wir in der ersten Lesung den aaronitischen Segen aus dem Buch Numeri. Darin wird Gott gebeten, Sein Angesicht über uns leuchten zu lassen und uns Frieden zu schenken.

Dieses Bild führt uns zum eigentlichen Ziel des Segens. Wir bitten Gott um Seinen Schutz während unseres irdischen Lebens. Doch unsere Hoffnung reicht weiter. Wir wollen einmal Sein Angesicht schauen und für immer in Seiner Gemeinschaft leben.

Im letzten Kapitel der Offenbarung heißt es über die Erlösten: „Sie werden sein Angesicht schauen“ (Offb 22,4–5).

Darauf richtet uns letztendlich jeder christliche Segen aus.

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Über Lukasz Holfeld

Redakteur / Autor bei der Priesterausbildungshilfe.

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