Heiliger Matthäus, Apostel und Evangelist - Der Zöllner, den Jesus rief
Am Gedenktag des heiligen Matthäus: Wie aus einem Zöllner ein Apostel wurde und das Matthäusevangelium Jesus als Messias verkündet.

Am 21. September begeht die Kirche den Gedenktag des heiligen Matthäus, Apostel und Evangelist. Über seinen Lebensweg erfährt man im Evangelium erstaunlich wenig. Keine Kindheitserinnerung, keine lange Abschiedsrede und kein Bericht über spätere Reisen. Seine Geschichte beginnt mit einem schlichten Satz: „Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen“ (Mt 9,9). Dann folgt der Ruf: „Folge mir nach!“ Matthäus steht auf und folgt Jesus.
Der Text erklärt seinen Entschluss nicht. Er nennt keine innere Vorbereitung und kein besonderes Erlebnis des Zöllners. Jesus spricht Matthäus an; dieser verlässt seinen Platz. Im folgenden Kapitel erscheint sein Name in der Liste der Zwölf Apostel (Mt 10,3). Zwischen dem Zollhaus und der Aussendung berichtet das Evangelium von keinem langen Weg der Bewährung.

Matthäus der Apostel
Auf die Berufung des Matthäus folgt ein Mahl in seinem Haus. Jesus sitzt mit Zöllnern und Sündern bei Tisch. Die Pharisäer stoßen sich daran und fragen die Jünger: „Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?“ (Mt 9,11). Am gemeinsamen Tisch zeigt man schließlich, zu wem man gehört und mit wem man verbunden sein will. Jesus hörte dies und antwortete: „Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken“ (Mt 9,12). Er fügt ein Wort des Propheten Hosea hinzu: „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!“ (Mt 9,13; Hos 6,6).
Das Bild vom Arzt benennt die Sünde als das eigentliche Problem. Die Pharisäer kennen die Gebote und achten auf die Reinheit des religiösen Lebens. Jesus verweist sie auf die Barmherzigkeit Gottes. Seine Nähe zu Zöllnern und Sündern hat darum einen klaren Sinn. Er setzt sich zu ihnen, weil Seine Sendung die Sünder betrifft. Das Mahl wird zum sichtbaren Zeichen dafür, dass Gottes Erbarmen Menschen erreicht, die sich selbst nicht aus ihrer Schuld befreien können.
Matthäus ist ein Zöllner und wird dennoch in den Kreis der Zwölf aufgenommen. Die Zwölf stehen für das von Christus neu gesammelte Israel. Jesus nimmt also keinen bereits angesehenen Frommen in Seinen Kreis auf, sondern einen Mann aus einer Berufsgruppe, die religiös und gesellschaftlich belastet war. Das zeigt: Christus sammelt sein Volk nicht aus einer vorab gereinigten Elite. Seine Barmherzigkeit schafft erst die Gemeinschaft, in die Er beruft.
In der Apostelliste heißt es ausdrücklich: „Matthäus, der Zöllner“ (Mt 10,3). Wenige Verse später sendet Jesus die Zwölf aus und gebietet ihnen: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben. Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel!“ (Mt 10,8–9). Stattdessen erhält Matthäus mit den anderen Aposteln einen Auftrag: Sie sollen das Himmelreich verkünden, Kranke heilen und den Menschen Gottes Nähe bringen. Darin liegt die eigentliche Umkehr seines Weges. Der Zöllner, dessen Beruf mit dem Einziehen von Abgaben verbunden war, wird zum Apostel, der weitergibt, was er selbst empfangen hat.

Matthäus der Evangelist
Die Kirche verehrt Matthäus auch als Evangelisten. Dies beruht auf einer alten Überlieferung: Seit dem zweiten Jahrhundert wird das Evangelium mit seinem Namen verbunden. Der Text selbst nennt keinen Verfasser. Die Forschung kann daher nicht sicher entscheiden, ob der Apostel Matthäus das Evangelium geschrieben hat. Die Kirche hält dennoch an der Verbindung fest. Sie trennt den Apostel, den Jesus vom Zollhaus in den Kreis der Zwölf gerufen hat, nicht von dem Evangelium, das Jesus Christus verkündet.
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Das Matthäusevangelium will vor allem zeigen, wer Jesus ist. Gleich sein erster Satz nennt ihn „Jesus Christus, Sohn Davids, Sohn Abrahams“ (Mt 1,1). Christus bedeutet Messias, der von Gott Gesalbte. Für Israel war der Messias der von Gott verheißene Retter und König. Abraham erinnert an die Verheißung, durch die alle Völker Segen empfangen sollen. David erinnert an die Erwartung eines Königs aus seinem Geschlecht. Jesus trägt beide Titel. Er gehört zu der Familie, aus der der Retter und König kommen sollte. Matthäus sagt gleich zu Beginn: In diesem Jesus erfüllt sich Gottes Verheißung an Israel.
Darum erscheint Jesus im Evangelium immer wieder als der König. Die Sterndeuter fragen in Jerusalem nach dem „neugeborenen König der Juden“ (Mt 2,2). Beim Einzug in Jerusalem ruft die Menge: „Hosanna dem Sohn Davids!“ (Mt 21,9). Schließlich steht über dem Kreuz: „Das ist Jesus, der König der Juden“ (Mt 27,37). Jesus kommt als der verheißene König. Sein Weg führt jedoch nicht zu einem Palast, sondern ans Kreuz. Dort gibt Er Sein Leben hin und rettet auf diese Weise Sein Volk.
Der Messias ist bei Matthäus auch Lehrer. Jesu Vollmacht zeigt sich ebenso in der Bergpredigt. Dort sagt Er: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist (…) Ich aber sage euch“ (Mt 5,21–22). Er spricht über Zorn, Wahrhaftigkeit, Ehe und Feindesliebe. Seine Worte führen die Gebote bis in das Herz hinein. Der Zorn, der einen Bruder verachtet, gehört bereits in den Bereich des Tötungsverbots. Der begehrliche Blick verletzt die Würde des anderen, bevor es zu einer sichtbaren Tat kommt. Jesus zeigt, wie Gottes Wille das tägliche Leben prägen soll. Ein perfekter Lehrer eben, der auch nach dem handelt, was er gebietet: „Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen“ (Mt 5,17). Christus ruft zur Umkehr und schenkt Barmherzigkeit. Beides gehört zusammen. Die Barmherzigkeit lässt die Sünde nicht unwichtig werden; sie eröffnet dem Sünder den Weg zurück zu Gott.
Am Ende des Matthäusevangeliums spricht Jesus vom Weltgericht. Der Menschensohn fragt nach Hungernden, Durstigen, Fremden, Nackten, Kranken und Gefangenen. Dann sagt Er: „Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). Der Herr und wahrer König, der im Haus des Zöllners zu Tisch sitzt, verbindet sich hier mit den Bedürftigen. Die Liebe zu Christus zeigt sich auch in der Liebe zu ihnen.
Das Matthäusevangelium verkündet Jesus als den Messias und König, dessen Wort Menschen in ein neues Leben ruft. Matthäus hatte diesen Ruf am Zollhaus gehört. Als Apostel wurde er in die Gemeinschaft derer aufgenommen, die diesen Christus bezeugen und sein Reich verkünden sollten.

Matthäus: Apostel und Evangelist
Am 21. September ehrt die Kirche Matthäus als Apostel und Evangelisten. Am Zollhaus hört er den Ruf Jesu. Beim Mahl in seinem Haus erklärt Jesus, dass er als Arzt zu den Kranken gekommen ist. Das Evangelium, das die Kirche mit dem Namen des Matthäus verbindet, zeigt diesen Jesus auch als Lehrer auf dem Berg, als König am Kreuz und als Richter, der sich mit den Geringsten identifiziert.
Damit erhält die Berufung des Matthäus ihren ganzen Zusammenhang. Christi Barmherzigkeit ruft ihn aus seinem bisherigen Leben heraus. Sein Wort weist den Weg der Nachfolge. Sein Kreuz zeigt die Art seiner Herrschaft. Und im Weltgericht wird sichtbar, woran sich diese Nachfolge bewährt: daran, ob der Christ Christus im Hungernden, im Fremden und im Kranken erkennt und sich ihnen zuwendet.
Über Lukasz Holfeld
Redakteur / Autor bei der Priesterausbildungshilfe.
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